Neben den „Altlasten“ werden „Neulasten“ entstehen

Talpost, 14.04.2011: Leserbrief zur Planung eines Krematoriums auf der Industriebrache Knoeckel, Schmidt & Cie.

„Es mag sein, dass die Gutachten ausweisen, dass die Grenzwerte bei Schadstoffbelastung und Lärm unterschritten werden. Eine Unbedenklichkeit daraus abzuleiten, halte ich für falsch. Die empfohlene Erhöhung des Schornsteins um fast 100% weist auf die Besonderheit der topografischen und meteorologischen Gegebenheiten vor Ort hin. Ob diese Höhe ausreichen wird, die Schadstoffe in die freie Atomosphäre abzuleiten, wage ich zu bezweifeln. Die Gefahr von Betriebsstörungen, bei denen lt. Gesetzt der Verbrennungsvorgang auch ohne Filter über einen sog. Bypass durchgeführt werden muss, bleibt bestehen. Der versprochene freiwillige Einbau eines Quecksilberfilters wurde nicht mehr erwähnt. Warum wurde von Seiten der Gemeinde kein oberer Grenzwert für Quecksilber zur Auflage gemacht?

Die Unterschreitung des Lärmpegels wurde unter Nichtbeachtung der bereits bestehenden Lärmquellen mit einer Belastung von 66–70 Dezibel (LMP IV, Höchstwerte für Industriegebiete!) ermittelt. Bei einer Summierung wird die schon jetzt in den umgebenden Wohngebieten grenzwertige Lärmbelastung unzumutbar erhöht. Weitere Betriebe sollen folgen, u.a. auch ein Pelletwerk mit zusätzlicher erheblicher Lärum- und Umweltbelastung. Wie kann der Gemeinderat dies als ein weiteres erstrebenswertes Vorzigeprojekt darstellen? Ich frage mich, welche Wertstellung haben Mensch und Umwelt in dieser Planung?

Dass die Industriebrache ein Riesenproblem der Vermarktung darstellt angesichts der enormen Altlasten und der maroden Bausubstanz ist mir klar. Weitere „Neulasten“ in Form von Schadstoffen und Lärm zu produzieren wäre so, als wolle man „den Teufel mit dem Belzebub austreiben“. Dass die Gemeinde angesichts ihrer äußerst schwierigen finanziellen Lage nach Einnahmequellen Ausschau hält, ist verständlich. Ein problembehaftetes Projekt zu unterstützen und letztendlich mit einem nicht unerheblichen Restrisiko als Gemeinde in der Verantwortung zu bleiben, halte ich für äußerst bedenklich.“
Brigitte Orth, Lindenberg

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