Offener Brief an den Ortsbürgermeister Herrn Koch der Gemeinde Lindenberg

Talpost, Ausgabe 23/2011: Einmütigkeit im Gemeinderat über Dorferneuerungskonzept

Offener Brief an den Ortsbürgermeister Herrn Koch der Gemeinde Lindenberg

Sehr geehrter Herr Koch,

Auch wir, die Bürgerninitiative „Krematorium in Lindenberg – nein danke!“ finden die vielen Ideen im Zuge der Dorferneuerung interessant und begrüßenswert. Es wundert uns jedoch, dass man den ehemaligen Ratskeller, der sich nicht im Besitz der Gemeinde befindet, als „Leuchtturmprojekt“ plant, während man ein viel bedeutenderes Gelände, nämlich die Industriebrache der ehemaligen Papierfabrik Knoeckel-Schmidt & Cie. außen vor gelassen hat. Wenn, wie behauptet, bei der Planung der Dorferneuerung 2009 das Krematorium noch nicht im Gespräch gewesen war, wäre es damals eine einmalige Gelegenheit gewesen, dieses Gelände aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutsamkeit mit einzubeziehen. Dies hat man versäumt!

Statt oben „hui“ und unten „pfui“ sollte man den Stellenwert des südlichen Lindenbergs hervorheben und dafür Sorge tragen, dass die Gesamtbrache zum Aushängeschild für Lindenberg und das Lambrechter Tal wird. Wir sollten nicht vergessen, dass das unbeplante Außengebiet – ehemals Papierfabrik Knoeckel-Schmidt & Cie. – mitsamt seiner Wohnblocks auf Lindenberger Gemarkung liegt und sich nach dem 2. Weltkrieg zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes mit in Spitzenzeiten ca. 350 Arbeitsplätzen entwickelt hatte. Die seinerzeit hohen Einnahmen im 6-stelligen DM-Bereich aus der Gewebesteuer wurden dankbar von der Gemeinde angenommen und zum Wohl der Bürger in kommunale Projekte umgesetzt. Hier gilt es anzuknüpfen.

Aus diesem Grund hätten Sie als Ortsbürgermeister zusammen mit dem Gemeinderat von Anfang an im Interesse der Nachhaltigkeit dafür Sorge tragen müssen, dass im Einvernehmen mit dem Privatbesitzer ein Konzept für eine Gesamtvermarktung entwickelt worden wäre, zumal es Ihre Vorgänger versäumt hatten. Dieser Schaden ist unseres Erachtens nur wieder gut zu machen, wenn die Planung des Krematoriums gestoppt und stattdessen eine Sanierung und Neuplanung des Gesamtgeländes in Angriff genommen wird. Wir fordern eine umweltverträgliche Gesamtplanung der Industriebrache im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung und fordern gleichberechtigt Umweltgesichtspunkte mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen.

Dann ist der Weg frei für Alternativen. Wie wäre es mit einem familienfreundlichen FreizeitCenter mit Kletterhalle, Indoorspielplatz, Squash-Halle, Oldtimer-Treff, Gastronomie (u. a. Familienbrunch mit Kinderbetreuung), Künstler-Treff mit Kursen und Ausstellungen? Dies würde Alt und Jung anlocken und die Brache wirklich beleben. Weiterhin gibt es in Rheinland-Pfalz Forschungs- und Innovationsförderung, die entsprechende Unternehmensgründungen unterstützen. Wir denken hier an Unternehmen mit technischen Innovationen und Bedarf an Büroräumen, Produktions- und Lagerhallen. Dies hätte Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Folge und die Arbeitslosenzahlen im der Dorf- und Talgemeinde könnten sinken.

Bei der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative gab es noch viele weitere Ideen, die wir gerne einbringen würden.

Was wir also brauchen ist eine „erweiterte Dorferneuerung“ unter Einbeziehung der gesamten Industriebrache ohne „Nachbarschaftskonflikte“ mit „Umweltverträglichkeit“! Sonst bleibt alles nur schöne Makulatur, die weder Immobilienleerstand noch rückläufige Bevölkerungszahlen verhindern kann. Der Magnet „Arbeitsplätze in Lindenberg“ könnte durch eine ausgewogene gewerbliche Ansiedlungspolitik in den nächsten Jahren Neubürger und Erwerbstätige anziehen und die dringend benötigten fiskalischen Einnahmen in die Gemeindekasse fließen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

W. Simon V.i.S.d.P.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Leserbrief, Veröffentlichung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.