Krematorium Lindenberg: Fakten

Unzureichende Öffentlichkeitsarbeit

Die späte offizielle Informierung der Bürger 4 Monate nach dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderates, die Weigerung, Fragen adäquat zu beantworten sowie trotz mehrfacher schriftlicher Aufforderung mit zahlreichen Unterschriften keine Einwohnerversammlung zur umfassenden Information und Diskussion abzuhalten, haben dazu beigetragen, dass sich eine Protestbewegung formiert hat. Bürgernähe sieht anders aus! Im konkreten Planungsverfahren waren und sind kritische Bürger nicht erwünscht. Ein mündiger Bürger ist jemand, der Argumente abwägen kann. Er oder sie spricht verantwortlich und unabhängig für sich selbst. Er oder sie hat eine angemessen fundierte eigene Meinung, wo immer eine nötig ist, und wenn nicht, weiß er oder sie, wie man sich solch eine Meinung bildet. Deshalb schaffen wir Öffentlichkeit und Grundlagen zur Meinungsbildung!
(s. Chronologie, Presse)

Emissionen und Gutachten

Lt. Immisssionsprognose werden die Grenzwerte der 27. BImSchV eingehalten, sogar unterschritten. Dies ist der Beschreibung der Anlageuz zu entnehmen und sagt nichts über die Immissionen im laufenden Betrieb aus. Störfälle mit extrem erhöhten Abgaswerten kommen in allen Krematorien zum Schutz der Anlage vor. Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass die angefangene Kremierung fortgesetzt werden muss. Dies bedeute u. U. dass bis zu 1,5 Std. die Abgase ungefiltert über einen sog. Bypass emittiert werden, eine „grau-schwarze Wolke“, die bei ungünstiger Wetterlage und aufgrund der Tallage nicht in die freie Atmosphäre abziehen bzw. sich in Richtung Lambrechter Tal oder Lindenberg ausbreitet kann.

Die beiden Gutachten „Immissionsprognose“ und TA Lärm der SGS TüV Süd weisen gravierende Fehler und Mängel auf und sind als Bewertungsgrundlage für einen Umweltbericht in Frage zu stellen. Die Immissionsprognose schreibt klar und eindeutig, dass „wegen der komplexen topografischen Situation (Tallage, Hangnähe) in unmittelbarer Nähe zu Vegetation mit Baumhöhen im Bereich > 25 m, der nahestehenden Bebauung in Form alter Fabrikgebäude und der ungünstigen meteorologischen Ausbreitungsbedingungen (extreme Schwachwindlage, …) kann von einer Ableitung in die freie Luftströmung mit den in der 27. BImSchV angegebenen Mindestanforderungen nicht ausgegangen werden. Die empfohlene Erhöhung des Schornsteins auf 20 m über Flur wird an dieser Situation nichts ändern!

Standort des geplanten Krematoriums


Bürgerinitiative “Krematorium Lindenberg – Nein Danke!” auf einer größeren Karte anzeigen

Schematische Darstellung der Größenverhältnisse

Schematische Darstellung der Größenverhältnisse

Ansicht der Industriebrache mit geplantem Krematorium (Gebäudeteil links)

Ansicht Industriebrache mit geplantem Krematorium

Siehe auch Artikel Blick auf die Industriebrache bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen.

Pietät

Die in der Durchführungsverordnung festgelegten und vom Gemeinderat beschlossenen Richtlinien genehmigen einen 24-Std.-Betrieb an 6 Tagen in der Woche. Dies entspricht einer industriellen Verbrennung, die aus Pietätsgründen strikt abzulehnen ist. Die Zufahrt zum geplanten Krematorium führt unmittelbar an Wohnblocks vorbei. Eine Abstandvorschrift gibt es zwar für Tierkrematorien, nämlich mind. 100 m, nicht jedoch für Humankremierungen.

Die Restanlage der Papierfabrik bleibt erhalten und ist seit Jahren in einem desolaten Zustand. Brandruinen und durch Vandalismus zerstörte Gebäude sind alles andere als eine „parkähnliche“ Umgebung. Die beiden christlichen Kirchen hatten sich schon frühzeitig ohne Kenntnis aller Fakten festgelegt und hatten keine Bedenken gegen das geplante Krematorium. Es ist zu fragen, ob man bei der Abwägung den § 8 des Best.Ge. des Landes Rheinland-Pfalz außer Acht gelassen hat, der sagt: „Die Würde des Toten und das sittliche Empfinden der Allgemeinheit sind zu achten.“ In Bayern, der Heimat des Investors, ist der entsprechende Artikel 5 Best.Ge. auf „Aschereste“ und die „Beförderung“ ausgedehnt!

Bedarfsprüfung

Eine Bedarfsprüfung ist zwar von rechtlicher Seite nicht gefordert, hätte jedoch ergeben, dass sowohl in Landau als auch in Ludwigshafen noch ausreichend Kapazität vorhanden ist. Zusätzlich ist in 25 km Entfernung in Enkenbach-Alsenborn ein Krematorium mit 1500 Einäscherungen pro Jahr geplant.
In der Verbandgemeinde Lambrecht sterben pro Jahr ca. 155 Menschen, von denen sich etwa die Hälfte einäschern lässt. Woher will der Investor die restlichen 3925 Leichen nehmen, wenn er mit max. 4000 rechnet? Dies kann nur Leichentourismus aus anderen Bundesländern bedeuten!

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